Endlich das Leben durchschauen – Beschreibung und Leseprobe

Endlich das Leben durchschauen
 Felix Aeschbacher
Endlich das Leben durchschauen!
Epub: ISBN 978-3-95781-011-3
Kindle: http://www.amazon.de/gp/product/B00NVPN9RM?*Version*=1&*entries*=0
Print: ISBN 978-3-95781-012-0

Cover-Aeschbacher

Die einseitige persönliche Wahrnehmung kann durch die Natur in ein vielschichtiges „Sehen“ umgeformt werden. Diese innere Heilung geschieht durch ein Gegenüber, dass uns im tiefsten innersten Kern gleich ist. Die Natur ist das, was wir sind. Alles trägt diese eine unendliche Kraft in sich, denn der Kern aller Dinge ist permanent gleichbleibend, ewig und stets ein und dasselbe. Die Natur ist das einfachste Bindeglied zwischen Geist und Materie, weil sie sanft, ruhig, geduldig und liebevoll ist. Nur wer genau hinsieht, wird in der Natur den Gleichklang erkennen. Nichts trennt mehr, denn das scheinbar andere ist uns gleich.

Dieses Buch erzählt von einer Reise, die sich durch den Ruf der Natur ergibt. Der, der sich  auf die Wanderschaft begibt, wird während dieser Reise immer wieder sich selbst begegnen. Viele Erfahrungen und heilsame Erkenntnisse prägen den Weg, die durch die liebevollen Botschaften, die sich am Wegesrand enthüllen, ausgelöst werden. Dieser Spaziergang durch Wald und Wiesen offenbart durch vielschichtige Begegnungen die Güte und die allumfassende Weisheit, die allem Leben innewohnt. Es ist ein Stück Natürlichkeit, auf die wir hier treffen, die der Mensch im Trubel des Alltags einfach vergessen hat.

Der wahre Kern, der jedem Stein, jeder Pflanze, jedem Baum, jedem Tier und jedem Menschen innewohnt, möchte entdeckt werden. Diesem Abenteuer, das uns aus der Härte und dem scheinbaren Leid befreit, können wir uns getrost hingeben, denn auf uns wartet ein ganz einfacher Zauber, dessen Funken wir seit jeher in unserer Seele tragen.

Das Zusammentreffen mit Akelei, Stiefmütterchen und Königskerze sind einige von vielen Begegnungen, durch die wir wertvolle und klare Erkenntnisse gewinnen können. Der Zugang zu unserer Seele wird wieder entdeckt und wir sind in der Lage, mehr über uns selbst zu erfahren. Liebevoll und behutsam führt uns die Tier- und Pflanzenwelt ganz sanft an unsere göttliche Quelle heran.

Der Mensch hat die Schönheit des Herzens verloren. Das ist wohl der wahre Grund, der ihn so leiden lässt. Das Chaos in unserem Leben gestaltet sich jeden Tag etwas härter, schwieriger und mühsamer und so stellt sich wohl jeder Mensch die Frage: Was kann ich tun?

Auch wenn diese schmerzlichen Erfahrungen des Lebens eine wunderbare und fruchtbare erweckende Kraft in sich tragen, werden sie als bedrückend empfunden. Der Mensch sehnt sich danach aufgefangen zu werden, bevor er den Mut fassen kann, hinter die Dinge zu sehen, tiefer zu schauen und sich selbst zu begegnen. Findet er zu dieser göttlichen, natürlichen Kraft in sich wieder zurück, die jeder Mensch, jede Begebenheit und alles Leben in sich trägt, wird es ihm möglich sein, der Situation ganz neu zu begegnen.

Dieses Buch ist ein Impulsgeber, um das Leben als Einheit und als Ganzes zu betrachten und das Schauspiel Leben endlich zu durchschauen. Wie befreiend es ist, hinter den Schleier zu blicken und die Dinge so zu sehen, wie sie in Wirklichkeit sind, das kann der Leser direkt erfahren. Es animiert zu mehr Wachheit und ist der Anstoß dafür, das Liebevolle und Einzigartige in allem zu erkennen. Es geht nicht um Lösungsvorschläge, sondern darum, die Eigenverantwortung im Menschen zu wecken, damit er selbst erkennen kann. So berührt die Sprache der Natur das Menschenherz direkt und unmittelbar. Die tiefe Botschaft dieses Buches setzt einen umfassenden Erinnerungsprozess frei und spricht das Herz des Lesers unmittelbar an. Sie erweckt seine Natürlichkeit, ohne dabei belehrend zu sein. Deshalb ist die Sprache der Natur ein wunderbares Sprachrohr, um die Weisheit zu verkünden.

Sich zu besinnen ist ein natürlicher Prozess des Erahnens, der unser wahres Wesen zum Vorschein bringt. Die Erde mag einigen Turbulenzen ausgeliefert sein, doch diese scheinbaren Schwierigkeiten halten uns wach. Sie machen uns munter und tragen dazu bei, dass wir nicht wieder einschlafen. Das Wesen der Pflanzen lässt uns Sorgen und Nöte durchschauen, Aufgaben erkennen und eröffnet uns den Weg in die Wirklichkeit, wo sich Probleme auflösen und Kummer versiegt. Es ist die Einfachheit der Natur, die Natürlichkeit, die uns sagt: „Du bist bereits, was du suchst. Suche nicht, sondern sei du selbst.“

Inhalt

Entdeckungen am Wegesrand: Ein Prolog

Achtsamkeit: Was eine Blume zur Achtsamkeit zu sagen hatte

Angst: Was die Dotterblume zur Angst zu sagen hatte

Antworten: Was eine himbeerfarbige Blume zu Antworten zu sagen hatte

Ankommen: Was der Wind zum Ankommen zu sagen hatte

Arbeit: Was die Birke zur Arbeit zu sagen hatte

Augenblick: Was eine gelbe Blume zum Augenblick zu sagen hatte

Befreiung: Was die Margerite zur Befreiung zu sagen hatte

Begierden: Was der Holunderstrauch zu Begierden zu sagen hatte

Berufung: Was das Blumenmeer zur Berufung zu sagen hatte

Besitz: Was die Königskerze über den Besitz zu sagen hatte

Bindungen: Was die Vogelwicke zu Bindungen zu sagen hatte

Bewusstsein: Was der Goldhafer zum Bewusstsein zu sagen hatte

Christus: Was die Tageslichtnelke zu Jesus Christus zu sagen hatte

Dankbarkeit: Was die Blume zur Dankbarkeit zu sagen hatte

Demut: Was eine kurzstielige Blume zur Demut zu sagen hatte

Depressionen: Was der Rot-Schwingel zu Depressionen zu sagen hatte

Ego: Was der Schlangen-Knöterich zum Ego zu sagen hatte

Entscheidungen: Was das Gras zu Entscheidungen zu sagen hatte

Enttäuschung: Welche Einsicht die Natur zur Enttäuschung gewährte

Erfahrungen: Was eine der goldgelben Blüten des Wiesen-Goldhafers zu Erfahrungen zu sagen hatte

Entdecken: Was eine der goldgelben Blüten des Wiesen-Goldhafers zum Entdecken zu sagen hatte

Erahnen: Was eine der goldgelben Blüten des Wiesen-Goldhafers zum Erahnen zu sagen hatte

Erforschen: Was eine der goldgelben Blüten des Wiesen-Goldhafers zum Erforschen zu sagen hatte

Erkenntnis: Was eine der goldgelben Blüten des Wiesen-Goldhafers zur Erkenntnis zu sagen hatte

Erfolg: Was eine feine, grazile Blume zum Erfolg zu sagen hatte

Erziehung: Was ein Gänseblümchen zur Erziehung zu sagen hatte

Fülle: Welche Einsicht die Natur zur Fülle gewährte

Freier Wille: Was die Schlüsselblume zum freien Willen zu sagen hatte

Friede: Was die Gladiole über den Frieden zu sagen hatte

Freude: Was der Marienkäfer zur Freude zu sagen hatte

Gebet: Was eine hellgelbe Blume zum Gebet zu sagen hatte

Geben: Was das Gänseblümchen zum Geben zu sagen hatte

Geburt: Was der Fliederstrauch und der Schmetterling zur Geburt zu sagen hatten

Gedanken: Was der Rosenstrauch zu den Gedanken zu sagen hatte

Geduld: Was eine Distel zur Geduld zu sagen hatte

Geld: Was eine Distel zum Geld zu sagen hatte

Gerechtigkeit: Was die Vogelbeere zur Gerechtigkeit zu sagen hatte

Gesundheit: Was die Eberesche über die Gesundheit zu sagen hatte

Gewalt: Was das Blatt einer Eiche zur Gewalt zu sagen hatte

Gewohnheit: Was eine Libelle zur Gewohnheit zu sagen hatte

Glaube: Was die Hyazinthe über den Glauben zu sagen hatte

Glück: Was eine Glockenblume über das Glück zu sagen hatte

Gnade: Was eine Glockenblume zur Gnade zu sagen hatte

Gott: Was das Vergissmeinnicht über Gott zu sagen hatte

Güte: Was der Rittersporn zur Güte zu sagen hatte

Grenzen: Was der Efeu über Grenzen zu sagen hatte

Herz: Was der Enzian über das Herz zu sagen hatte

Heimat: Was Mutter Erde zur Heimat zu sagen hatte

Hilfe: Was ein kleiner Stein über Hilfe zu sagen hatte

Ich: Was der Süßklee über das Ich zu sagen hatte

Karma: Was eine Blume zum Karma zu sagen hatte

Klang: Was die Biene über den Klang zu sagen hatte

Krankheit: Was das Gras zur Krankheit zu sagen hatte

Lebensfragen: Was das Gras über Lebensfragen zu sagen hatte

Leid: Was der Wind über das Leid zu sagen hatte

Liebe: Was ein unscheinbares Blümlein zur Liebe zu sagen hatte

Loslassen: Was eine Blume zum Loslassen zu sagen hatte

Meditation:  Was die Akelei zur Meditation zu sagen hatte

Menschlichkeit: Was eine Mücke über Menschlichkeit zu sagen hatte

Meinungen: Was ein Stiefmütterchen zu Meinungen zu sagen hatte

Mut: Was ein Nadelbaum zum Mut zu sagen hatte

Mitgefühl: Was ein Baum über das Mitgefühl zu sagen hatte

Offenheit: Was ein Baum zur Offenheit zu sagen hatte

Religionen: Was eine Tulpe über Religionen zu sagen hatte

Seele: Was ein Rotkehlchen über die Seele zu sagen hatte

Segen: Was ein Vogel zum Segen zu sagen hatte

Selbstlosigkeit: Was ein Stein zur Selbstlosigkeit zu sagen hatte

Schuld: Was das Gras über Schuld zu sagen hatte

Schutz: Was das Gras zum Schutz zu sagen hatte

Schwierigkeiten: Was die Zypresse über Schwierigkeiten zu sagen hatte

Sichtweise: Was eine Heckenstaude zur Sichtweise zu sagen hatte

Stille und Schweigen: Was ein zartes Blümlein zur Stille und zum Schweigen zu sagen hatte

Täter: Was ein kleiner Nadelbaum über Täter zu sagen hatte

Tod: Was die Ameise über den Tod zu sagen hatte

Verantwortung: Was der Goldregen über Verantwortung zu sagen hatte

Verlust: Was der Eisenhut über Verlust zu sagen hatte

Vertrauen: Was der Huflattich über Vertrauen zu sagen hatte

Verzeihen: Was eine Primel über Verzeihen zu sagen hatte

Vollkommenheit: Was eine Primel zur Vollkommenheit zu sagen hatte

Vorwärtsgehen: Welche Erkenntnis die Natur zum Vorwärtsgehen gewährte

Wahrheit: Was eine von drei Blumen zur Wahrheit zu sagen hatte
Weisheit:
Was eine von drei Blumen zur Weisheit zu sagen hatte

Wirklichkeit: Was eine von drei Blumen zur Wirklichkeit zu sagen hatte

Wissen: Was eine Blume über das Wissen zu sagen hatte

Wünsche: Was eine orange Blume über die Wünsche zu sagen hatte

Zeit: Welche Eindrücke die Natur zur Zeit zu vermitteln hatte

Zurückhaltung: Was eine Brennnessel über die Zurückhaltung zu sagen hatte

Zufriedenheit: Was eine Brennnessel über Zufriedenheit zu sagen hatte

Ziel: Was ein Brunnen über das Ziel zu sagen hatte

Entdeckungen am Wegesrand: Ein Epilog


Leseprobe

 

Entdeckungen am Wegesrand: Ein Prolog

 

Als ich recht andächtig im Gras lag und mir wieder einmal bewusst wurde, dass mein bisheriger Weg nie ein Ziel haben konnte und nirgendwo hinführen würde, legte ich den kleinen Stein, den ich in der Hand hielt, behutsam zur Seite. Mir wurde klar, dass sich alle möglichen Wege des Lebens nicht wirklich voneinander unterscheiden würden. Wie auch immer sich der Alltag auch entwickeln würde, in seinem Kern beinhaltete doch jede Erfahrung dasselbe. Nur wir versuchten unsere Erfahrungen zu steuern und erlaubten uns, über Situationen ein Urteil zu fällen. Mit vielem waren wir nicht einverstanden, doch das Leben hat in keiner Weise Interesse daran, unseren Zuspruch zu bekommen. Wie auch immer sich der Weg ergeben würde, war weder wichtig noch von Bedeutung. Vielmehr war es wohl die Art und Weise, wie man den Alltag meisterte und ob man die Situation annehmen konnte. Der Blick in die Ferne bestätigte mir, dass in allem diese eine Kraft war, doch dass wir aus unserer begrenzten Sichtweise heraus die Essenz der Ereignisse nicht erkennen konnten.

Ein Schmetterling setzte sich auf die wunderbare, langstielige Glockenblume, die sich im Wind freudig hin und her wiegte. In Eintracht und Harmonie schaukelte die Blume mit dem geflügelten Freund einher. Der Schmetterling, der von Natur aus immer einem unansehnlichen Raupendasein entsprang, bevor er sich zur wahren Schönheit entpuppte, erinnerte mich an das Leben, in dem ein unbewusster Mensch sich aus seiner Unwissenheit befreite, um sich ganz und gar seiner einzigartigen Vollkommenheit anzunähern. In diesem Moment empfand ich diese Wandlung, wo es keine Trennung, kein Mein und kein Dein mehr gibt, als etwas ganz Natürliches. Nur die Entdeckung des einzig Wahren trug die Erfüllung des Daseins in sich. Diese Sehnsucht, die jedes Lebewesen in sich trägt und die dem Innersten entspringt, war in Wirklichkeit ein tiefes und selbstverständliches Bedürfnis.

Dieses unsichtbare und starke Verlangen hatte sich wie hartnäckiges Fieber über mich gelegt, und so konnte ich gar nicht mehr anders, als mein Leben danach auszurichten. Der Trieb, nach meinem wahren Ich Ausschau zu halten, war stärker als alle irdischen Verlockungen, obwohl die Macht des Egos und des Denkens alles überragte. Dieser Drang nach dem Einen war über mich gekommen und hatte jede einzelne Zelle meines Körpers, meines Fühlen und Denkens in Besitz genommen. Was hatte ich schon zu verlieren? Es fühlte sich gut an, auch wenn der Verstand nicht folgen konnte.

 

Der Mensch versucht Einfluss auf sein Leben zu nehmen, doch er kann weder die Reife noch sonst etwas beeinflussen. Es steht nicht in seiner Macht, und es bedarf der ganzen Aufmerksamkeit und keinem halbherzigen Wollen, dem inneren Ruf zu folgen. Es bedarf Mut, sich dem Einen zuzuwenden.

Doch wie wende ich mich dem Einen zu, wenn ich das Eine gar nicht kenne, nicht fühle und nur darum weiß? Kann ich das Eine überhaupt fühlen, wenn es jenseits der Sinne ist?

Für den Verstand scheint das alles sehr kompliziert zu sein, und so wird das Unsichtbare vorerst als Illusion abgetan. Logisch wird es nie sein, und Gott wird nie und nimmer verstanden werden. Er bleibt das Wahrhaftige, welches ohne Sinn und Eigenschaft einfach ist.

Wenn man die Wertigkeit und Glaubwürdigkeit dieser einen Kraft von einer Ansicht abhängig macht und sie dadurch desinteressiert zur Seite schiebt, wird man sich nie in ihr entdecken können. Wie kann man sich so sicher sein, dass das, was man Leben nennt, die einzige Realität ist? Wie kann man so etwas behaupten, ohne es hinterfragt zu haben? Ist es schlau, mit Scheuklappen durch die Welt zu gehen und die Dinge bei dem zu belassen, für das sie gehalten werden?

Alles was man mit den Sinnen wahrnehmen kann, sind lediglich Täuschungen, die erst dann als Illusion erkannt werden, wenn dieses Wissen um die eine Kraft erlebt worden ist. Es nutzt einem also nichts, sich ein Wissen anzueignen, zu erlernen, sich weiterzubilden, sich in etwas zu üben oder seine äußeren Umstände zu verändern, wenn der eine Kern in den sichtbaren Dingen unerkannt bleibt.

Schöpfe man also alle Kraft aus seinen Tiefen, denn nur dort ist sie vorhanden. Man vergesse also alles Gelernte und all das Wissen, welches im Kopfe herumirrt und seit jeher verwirrend auf einen einwirkt. Wenn wir uns lange genug und mit großer Ausdauer nach innen ausrichten und nicht aufgeben, wird die Mühe eines Tages belohnt werden. Da war ich mir sicher, während ich mir aber nicht ganz sicher war, ob ich überhaupt Einfluss auf etwas haben konnte.

Mein Blick fiel wieder auf den Schmetterling. Immer noch saß er auf der Glockenblume, und ich fand es doch etwas ungewöhnlich, dass er keine Scheu zeigte. Graziös und leicht bewegte er seine Flügel auf und ab und präsentierte sich in seiner vollen Pracht. Meine Augen konnten sich an der einzigartigen Herrlichkeit der Natur kaum satt sehen.

Und doch waren es nur Erscheinungen und Bilder, die mir für die Begegnung mit der Allmacht, wie eine Schranke, den Zutritt verwehrten. So schön diese Bilder, diese Dinge, die ich sehen, hören, richten, schmecken und tasten konnte auch immer sein mochten, sie hielten mich vom Wesentlichen ab. Sie gaukelten mir etwas vor und ließen mich immer wieder vergessen, meine Entdeckungsreise fortzusetzen. Wie leicht verlor man sich doch in Täuschungen und vergaß dabei, ihnen auf den Zahn zu fühlen. Aus Gewohnheit, oder aus einer Begrenzung? Vielleicht aus beidem.

Ich hörte mich summen. Das tat ich immer, wenn ich mich wohl fühlte. Schon in der Kindheit summte ich vor mich hin und hätten mich meine Eltern und mein Umfeld nicht immer wieder darauf aufmerksam gemacht, ich hätte es selbst gar nicht bemerkt.

Das Summen hatte mich etwas schläfrig gemacht. Es war so wohltuend und entspannend, und meine Augen schlossen sich langsam. Je mehr ich mich bemühte, wach zu bleiben, desto weniger schien es mir zu gelingen. Ringsum schien alles zu verblassen. Nicht nur Gedanken verstummten, mein ganzes Wissen schien mir abhanden gekommen zu sein. Ich spürte eine wohltuende Leere, die sich erfüllender nicht zeigen konnte. Wie eigenartig schlich sich diese seltsame Stille in mir ein und versprühte eine sonderbare Ruhe. Nach geraumer Zeit öffneten sich meine Augen und blicken Richtung Himmel. Die Wolken, die vorbeizogen, hatten die unterschiedlichsten Formen. Sie waren so schön.

Ich erhob mich und sah der wunderbaren Blumenwiese entgegen, die vor mir lag. Ich ertappe mich wieder dabei, zufrieden vor mich hin zu summen, und mit sehnsüchtigem Herzen vernahm ich den Ruf dieser Wiese. Vom Wind liebkost und von den Sonnenstrahlen gestreichelt, streckte sich eine jede Blume und ein jeder Grashalm der Sonne entgegen, und ihr lieblicher Klang erzählte mir von der Schönheit und Reinheit der einen Kraft, die sie durchdrang und sie am Leben erhielt. Bedingungslose Anwesenheit war es, die die Wiese ausstrahlte, und der Wind trug diesen Liebreiz in die ganze Welt hinaus.

Mir war, als trug jedes Wesen, das in der Natur beheimatet war, ihre eigene Geschichte in sich, die vom Einklang des All-Einen zu erzählen wusste. Die Natur lud mich dazu ein, ihre Botschaften zu vernehmen, um ein tieferes Verständnis für die kosmischen Zusammenhänge zu entwickeln.

Die stummen Rufe der Wald- und Wiesenbewohner erstreckten sich über das stille Blütenmeer hinweg und erreichten in voller Wucht mein leidgeprüftes und schmerzerfahrenes Herz. Ein Anflug von Traurigkeit übermannte mich ganz kurz, bevor sich eine herrliche Vorfreude über mich legen konnte.

Der mir bevorstehende Spaziergang ermunterte mich, es gab am Wegesrand wohl Einiges zu erleben. Und obwohl ich noch nicht wusste, was mich da genau erwarten würde, fühlte ich, dass es mein brennendes Verlangen stillen würde, welches mich seit aller Ewigkeit tapfer durch Äonen von Zeiten trug und mich unermüdlich vorwärts trieb – der Sonne entgegen. Der Zauber der Natur ließ mich wissen, dass viele Pflanzen, Steine und Tiere mir etwas ins Herz legen wollten. Die Reise konnte beginnen.

Der Schmetterling erhob sich und flog in die weite Welt hinaus. Noch lange sah ich ihm nach, und ich wollte ihm folgen. Auch ich wollte mich auf den Weg machen, zwar ohne Flügel, doch mit einer riesigen Portion Leichtigkeit im Gepäck. Plötzlich konnte ich es kaum erwarten, meinen Seelendurst zu stillen. Der Geist lechzte nach Bewegung und Erkenntnis.

Lass uns gemeinsam den Wegesrand bestaunen und betrachten, was uns das Leben alles schenkt und was es mit den Bildern der Welt so auf sich hat.

 

Achtsamkeit

Wie herrlich war es, so darauf los zu spazieren. Summend und voller Freude ging ich des Weges und betrachtete die Wiesen und Felder. Hier tummelten sich Insekten und hatten ein herrliches Revier, in dem sie sich austoben und ihren eifrigen Tätigkeiten nachgehen konnten.

Man mag bei manchen Bewegungen von Tieren wohl meinen, dass sie recht nutzlos sind. Doch alles ist miteinander vernetzt, und jeder Ablauf, jede noch so unscheinbare Bewegung trägt dazu bei, die Gesamtheit am Leben zu erhalten.

Jeder kleinste Teil der Kette des Lebens hatte eine Aufgabe, und es gab keine Aufgaben, die man als groß oder klein bezeichnen konnte. Alles war bis ins Detail geplant und sehr wertvoll, es sei denn, man konnte die Zusammenhänge nicht erkennen. Alles führte etwas aus und erledigte Dinge, die zuvor bereits gedacht oder angeordnet worden sind. Wie soll ein Specht sonst auf Holz klopfen können? Woher sollte er wissen, dass er genau jetzt, an dieser einen Stelle, klopfen musste? Und warum machten alle Spechte dasselbe?

Es war wohl eine große Organisation, die das Leben so funktionieren ließ, und hinter allem stand die göttliche Intelligenz, die unveränderlich und unermüdlich ihre Werke nach außen trug, trägt und weiterhin tragen wird.

Diese tiefen Gedankengänge versetzten meine Seele in hellstes Entzücken, und alles was ich sah, erschien in pastellfarbenem weißgelbem Licht, welches die ganze Erde umspannte und in Geborgenheit wog.

Mein Blick näherte sich einem ganz zartem Pflänzlein, es wollte mir von der Achtsamkeit erzählen. Ganz aufmerksam beobachtete ich seinen Stiel, seine Blätter, seinen Blütenkelch und entdeckte ganz feine Härchen, die sich über den ganzen Blumenkörper erstreckten.

Blumenkörper? Nannte man es Schaft? Bis jetzt hatte ich noch nie so genau hingesehen. Sich an Blumen zu erfreuen war ja keine Kunst, wenn sie einem so ermunternd entgegenlachen. Doch Achtsamkeit war eine Form der Wahrnehmung und nicht das Beobachten selbst, stellte ich fest.

„Achtsamkeit – Hier und Jetzt!“, sagte die Blume, und ich setzte mich zu ihr ins Gras. „Achtsamkeit heißt, sich in jedem Moment gewahr zu sein, was man ist und was man nicht ist. Es ist die Wahrnehmung der Essenz, die die Dinge ausmacht und tatsächlich ist. Achtsamkeit bedeutet also nicht, die Dinge aufmerksam zu beobachten, sondern während dem Beobachten noch tiefer zu gehen und sich in den Ursprung des Gesehenen, Berührten oder Geschmeckten hineinfallen zu lassen. Doch es ist nicht das andere, dem man aufmerksam begegnet, denn wenn man sich seinem eigenen Kern bewusst geworden war, begegnet man immer nur sich selbst. So bekommt die Achtsamkeit ganz andere Dimensionen. Achtsamkeit verliert sich nicht im Objekt, sie geht über das Objekt hinaus und verheddert sich nicht im Aussehen und in Erscheinungen.

Wenn Achtsamkeit deinen Weg ziert und damit deinen ursprünglich hellen Geist vor dem Einschlafen schützt, lohnt es sich allemal achtsam zu sein.“

Die Achtsamkeitsblume verstummte und schwieg. Als hätte sie niemals irgendetwas von sich gegeben. Nicht nur ihre Worte, auch ihr Duft war bis zu meiner Nase vorgedrungen und betörte meine Sinne.

 

Angst

Munter spazierte ich weiter und folgte einem schmalen Weg. Wenn ich sehe, wie die Sonne die Wiesen und Felder erhellt, hat sogar so etwas wie Angst seine Bedeutung verloren. Doch den Menschen schürt die Angst, und sie scheint auch wirklich hinderlich zu sein.

Niemand hat Angst vor einer Pleite, einer Schlange oder einer Krankheit, denn es ist niemals die Sache selbst, die die Angst auslöst. Würde die Schlange nicht beißen, die Pleite unsere Lebensweise nicht gefährden und würde die Krankheit nicht Schmerzen oder sogar den Tod verursachen, müssten wir uns nicht ängstigen.

Wenn wir uns erst einmal bewusst geworden sind, dass die Schlange, also das Schlangenbild, nicht schlimm ist, sondern die Angst, gebissen zu werden der Auslöser ist, hätten wir ja schon etwas durchschaut, aber abseits von einer logischen Intelligenz oder einer Ursachenfindung ist etwas, das wir noch nicht erforscht haben. Es ist das Einzige was es gibt, und es gelingt uns nicht, es nicht erkennen.

Ich musste den Kopf schütteln, und irgendwie ärgerte ich mich über die Hilflosigkeit der Menschen und natürlich auch über meine eigene. Die Feststellung, dass wir uns alle so schwer taten, und es als Bemühung ansahen, unsere Herzen zu öffnen, war in diesem Moment recht seltsam.

Warum war es so schwierig? Wie konnte der Mensch nur so hart und so blind geworden sein? War Angst nicht viel mehr eine Meinung, die wir uns über die Angst geformt hatten? Und was hatte diese Meinung mit dem zu tun, was wir Angst nannten?

Fragen über Fragen brachen wie ein ungestümer Wasserfall aus mir hervor und erschütterten mich mit lautem Getöse und ungebrochener Härte.

Da roch ich die Quelle, aus der der Wasserfall entsprang und fühlte mich dieser Stille so verbunden und nah. Ja, da ist etwas, dass das alles überhaupt erst ermöglicht bzw. hervorbringen kann, denn eine Schlange oder die Angst sind ja keine eigenständigen Dinge, die aus sich heraus existieren können. So müssten die Schlange oder die Angst die Schöpfung sein. Die Schlange aber war das Fleisch, einer der Leiber der schöpferischen Kraft, und diese bewegte das Fleisch und brachte Angst als eine Empfindung hervor. Sinneswahrnehmungen und Empfindungen konnten aus sich selbst heraus nicht sein.

Das zu erkennen, dem zu begegnen und das zu erforschen war mein innerer Weg. Äußerlichkeiten waren nebensächlich, doch hatte ich genau diesen Weg eingeschlagen, um einiges klären zu können. Dieser Spaziergang war der Weg der Einsichten und Erkenntnisse, das wusste ich schon jetzt.

Gedanken über Gedanken überkamen mich, denen ich nun freien Lauf ließ: Hinter der Krankheit steckt also die Angst vor dem Tod oder vor dem Schmerz. Was aber steckt hinter dem Tod und hinter dem emotionalen Schmerz? Was ist Tod? Was ist Schmerz? Warum hinterfragen wir die Dinge nicht? Warum verlieren wir uns in Dingen, worüber wir nichts wissen und die wir ganz anders wahrnehmen, als sie tatsächlich sind? Warum zum Beispiel lähmt uns die Angst vor dem Tod, wenn wir nicht im Geringsten erahnen, was Tod überhaupt ist?

Die verdichtete Materie lähmt uns und erschwert uns dadurch, die Dinge tiefer zu betrachten und uns überhaupt einmal aufzuraffen, uns über die Dinge selbst Gedanken zu machen, um die wir uns bisher nicht gekümmert haben. Es ist eine Form von Stagnation und Unbeweglichkeit, in die wir uns da unbewusst hineinmanövriert haben. Es ist ein Stillstand des Geistes.

Ja, und auch ich bleibe stehen, ganz sicher nicht wie gelähmt, vielmehr gespannt, nachdem ich eine sattgelbe Dotterblume bemerkt habe, die mir über die Angst etwas sagen will.

Sie wirkt pompös und robust, nein, nicht die Angst, die Blume natürlich – als hätte sie von nichts und niemandem Angst und als würde sie sich auch von nichts einschüchtern lassen.

 „Ach, die Angst ist etwas, das euch großes Unbehagen beschert“, sagte sie mit mitfühlender und klarer Stimme. „Man kann es gut nachvollziehen, doch ist es nicht recht. Ihr habt Angst vor Dingen, vor Ereignissen, vor Tieren oder vor Gewalt, doch scheinbar wisst ihr nicht, was das alles wirklich bedeutet.

Wie kann man Angst vor einem Tier haben? Es ist nur die Erscheinung, ein Bild, dem du einen Namen gegeben hast. Du nennst es, sagen wir einfach einmal Wolf, um ein Tier zu nennen. Er möge es mir nicht übel nehmen. Erzählungen nach ist der Wolf böse. Den Märchen nach mag das so sein, doch hast du dich schon mal getraut, dieses Bildnis Wolf, diese Erscheinung, dieses Wort, diesen Körper, dieses Heulen zu hinterfragen?

Nun höre gut zu: Gott zeigt sich durch Erscheinungen, Bilder, Ausdrucksformen, verwirklichte Kreaturen oder als zum Leben erweckte Wesen, in diesem Fall ist er der Wolf.

Wenn Bewusstsein sich in allem zeigt, zeigt es sich auch im Wasserfall. Der aber gefällt dir nur zu gut, und du erfreust dich an seinem Geplätscher. Das eine magst du, das andere nicht. Vor dem einen hast du Angst, am anderen deine Freude. Es ist lediglich deine Reaktion und Empfindung über oder zu etwas, was die Erscheinung, dieses Bild, zu dem macht, was du glaubst. Das heißt, es zeigt sich also deiner Wahrnehmung entsprechend. Es oder etwas, dies oder das, vieles oder jenes ist an und für sich aber nicht gut und böse, recht oder schlecht oder sonst irgendwie, denn es ist an sich etwas Urtümliches, das sich nun beliebig darstellen mag.“

Es hörte sich so einfach und klar an, was die Blume so zu erzählen hatte. Unerschrocken und sogar mutig blickte sie mir entgegen, und obwohl sie um der Leiden der Menschen wusste, schien sie sich aus dieser Unwissenheit bereits gelöst zu haben.

„Zurück zur Angst…“, fuhr sie klärend fort; dabei hatte sich ein kleiner brauner Käfer auf eines ihrer saftigen hellgrünen Blätter gesetzt, die sich dem wippenden Insekt ergaben. Unabgelenkt und voller Hingabe sprach sie alsdann: „Du kannst Angst nicht lösen, weil du sie durch dein Verhalten erzeugst, welches auf Unwissenheit beruht. Tatsächlich ist Angst etwas, das aus sich heraus – wie alle anderen Dinge auch – nicht bestehen kann. Was kannst du also mit der Angst tun? Wie sollst du ihr begegnen?“ Dabei sah sie mich fragend an und wog sich mit dem Käfer einher, der in der Zwischenzeit einen ihrer Blütenkelche erklommen hatte.

Es machte mich neugierig, was die gelbe Blume dazu meinen würde, wie wir Menschen mit der Angst umgehen sollten. Denn auch wenn Angst nichts Reales ist, so empfinden wir sie doch sehr bedrückend und fahl. Wir können es ja nicht einfach als Illusion abtun oder uns einreden, dass sie nicht echt sei, wenn es unser menschliches Wohlbefinden doch mindert.

„Du hast das ganz gut erkannt!“, antwortete die Blume. „Du kannst dir nicht einreden, dass du keine Angst zu haben brauchst, weil sie dann trotzdem nicht weicht. Sie wird sich auch nicht auflösen, bloß weil dir jemand gesagt hat, dass es sie in Wirklichkeit gar nicht gibt. Es nutzt dir also nicht viel, zu wissen, dass Angst nur Illusion und Einbildung ist, weil deine Prägungen seit jeher zäh an dir haften. Ratschläge, in die Angst hineinzugehen, um sie anzunehmen, bringen auch nicht wirklich etwas, außer über einen weiteren und nutzlosen Ratschlag mehr verfügen zu können.

Erst wenn du erkannt hast, was die Angst ist, wirst du ihr angstfrei begegnen und durch sie hindurch schreiten können. Aber auch dann kannst du der Angst nicht plötzlich neutral begegnen. Wenn du aber den Kern der Angst entdeckt hast, blickst du durch das Angstbild hindurch, über dieses hinweg und findest dich in der Essenz wieder. Die Angst wird nebensächlich und verliert ihre Macht über dich, weil du deine Aufmerksamkeit von ihr abgezogen hast und ihr keinen Raum mehr gibst, um dich erreichen zu können.

Es geht immer nur um deine Reaktion, die zählt, es geht niemals um die Sache selbst. Warum? Weil die Sache nie die Sache ist, für die du sie bis jetzt gehalten hast. Wenn du dich hineinfallen lässt in dieses Bewusstseinszentrum, dann bist du dort, wo die Angst entsteht, und du erinnerst dich an das, was die Angst hervorbringt und erzeugt – dein heimatlicher Ursprung.“

Es klang einfach, was sie da von sich gab, doch wusste ich nur zu gut, dass diese weisen Worte zwar das Herz berührten, aber das Wissen selbst erst dann Früchte tragen würde, wenn die Zeit dafür gekommen war.

Die Blume schien sehr fröhlich zu sein und kicherte vor sich hin: „Lass mich dir ein kleines Beispiel geben. Du hast eine Flasche, auf der ein Aufkleber haftet, auf dem das Wort Gift geschrieben steht. Es sieht also so aus, als wäre Gift in dieser Flasche, und der Totenkopf, der das Etikett ziert, lässt dich für diese Flasche erst recht keine Sympathie entwickeln. Nehmen wir einmal an, in dieser Flasche ist frisches Quellwasser, du aber weißt das nicht. Da du dich aber darauf verlässt, was deine Augen dir sagen und dein Wissen dich mahnt, glaubst du den Gegebenheiten. Warum sollte es auch anders sein?

Du wirst niemals herausfinden, was in der Flasche ist, und du wirst nie deinen Durst stillen, wenn du dich damit zufrieden gibst, wie die Dinge zu sein scheinen. Was auch immer deine Sinne filtern und vernehmen wollen, prüfe es. Feilsche nicht und lass dir doch bitte, bitte nicht ständig diese faulen Eier andrehen oder einen Esel für ein Pferd verkaufen.

Vergleiche dieses Beispiel mit all den sichtbaren und unsichtbaren Dingen, die dich im Erdenleben umgeben. Welche Verkleidung die Dinge auch immer annehmen mögen, sind es nun Menschen, Tiere, Wolken, Pflanzen, Gefühle, Gerüche oder Gedanken… Ob Gestank oder Duft, Helligkeit oder Nacht – es sind nur Bezeichnungen, die deine Sinne einer Vorstellung, ja einer Idee zugeordnet haben.

Wieso bist du dir so sicher, dass ein Pferd ein Pferd ist, etwas Böses böse ist und der Himmel ein solcher sein soll. Nun gut, du hast es so gelernt, und man hat dir gesagt, was die Dinge sind, bzw. sein sollen, und es scheint ja fast die ganze Menschheit daran zu glauben, dass der Himmel der Himmel ist und dass er blau sein muss. Augen mögen etwas sehen, das sie als Himmel bezeichnen, und da sie die Essenz des Himmels nicht orten können, wird es für die wohl weiterhin ein Himmel bleiben. Obwohl auch hier noch die Frage offen bleibt: Was ist denn überhaupt blau? Himmel ist nur ein Begriff. Nicht weniger und nicht mehr.

Alles was du in deinem Leben erlebst, siehst, fühlst etc, bleibt also unbewiesen und unerforscht. Trotzdem nennst du es Realität und Wahrheit. Wahrheit und Wirklichkeit sind komplett konträr und sind nicht dasselbe. Das aber wird dir eine andere Blume erzählen.

Nun kannst du sagen, dass es ja nicht deine Verpflichtung ist und die Wirklichkeit ja nicht gerade von dir entdeckt werden muss. Warum also bezweifeln, was die ganze Welt als real abtut. Ist es das was du denkst?

Es ist nicht deine Aufgabe, die Dinge in Frage zu stellen, weil es ja alle anderen auch nicht tun? Aber warum denn nicht? Solange du alles so hinnimmst, wie es zu sein scheint, und solange du nicht entdeckst, wie es wirklich ist, wirst du Angst haben müssen. Und ich sage dir auch warum: Diese Angst wird dich so lange begleiten, bis du an einem Punkt angelangt bist, an dem du damit beginnst, die Angst zu überprüfen. Bis dahin wirst du nach weiteren Lösungen suchen, die Angst zu umgehen und loswerden zu wollen.

Und daran ist gar nichts verkehrt. Ich sage nicht, dass es dumm ist. Nein, ich sage sogar, dass es notwendig ist, denn nur über diese Schritte kannst du tiefer gehen.

So wirst du weiterhin versuchen, dich aus der Angst zu befreien. Dann willst du also etwas loswerden, von dem du gar nicht weißt, was es überhaupt ist. Du hältst es für Angst. Ich aber sage dir, es ist etwas ganz anders. Finde es heraus.

In den meisten Fällen braucht es sehr schmerzvolle Momente, damit man beweglicher wird. Und kommt der Prophet nicht zum Berg, kommt der Berg zum Propheten. Gott sucht dich den ganzen lieben Tag in allem, gib ihm wenigstens eine kleine Chance, entdeckt zu werden. Spiel einfach mit, indem du mit dem natürlichen Ablauf des Lebens mitgehst und öffne nicht nur die Augen, sondern auch dein Herz. Vergiss die Spielregeln, die das Leben dir vorschreibt und die künstlich erschaffen worden sind. Und vergiss all das Wissen, das du jahrelang angehäuft hast. Sei ein Pionier!“

Ein zweiter Käfer hatte sich auf die Blume gesetzt, und sein Gewicht hatte wohl ein Blatt geknickt. Ich berühre das Blatt, und die Blume gab mir zu verstehen, dass es stets so sein soll, wie es sich denn ergibt. Die Blume kümmerte sich nicht um die Dinge, die von außen auf sie einwirkten und fügte sich wie selbstverständlich den Gegebenheiten. Sie war nicht für oder gegen etwas, sie haderte nicht, und so etwas wie Wünsche waren ihr fremd. Sie wusste, dass es nur die ganz spezielle und persönliche Wahrnehmung ist, die von der Wirklichkeit trennt.

„Wozu Angst haben, wenn tief in der Angst das steckt, was mich wachsen lässt und mich umsorgt?“, zwinkert sie mir zu. „Halte inne und beweise Mut, denn es ist an der Zeit, genauer hinzusehen. Lass die Angst sein und gib dich dem hin, was gerade ist. Vertraue darauf, dass immer nur der Moment zählt, in dem immer das Höchste verborgen liegt. Meine Worte mögen dir dieses Wissen schmackhaft machen, aber erkennen musst du es schon selbst.

Die einzige Angst, die man haben muss, ist die, die Angst weiterhin als Angst zu betrachten“, hörte ich sie noch sagen, bevor sie sich zurückzog, alles in den Händen der höchsten Bestimmung gelegt wusste und mit der lauen Luft eins ward.

 

Fülle

 Wie viele Bücher hatte ich in vergangenen Zeiten gelesen, deren Titel dem Käufer Reichtum, Fülle oder Erwachen versprachen. Ich kann mich nicht mehr so genau erinnern, aber es waren wohl einige gewesen. Ein herzhaftes Lachen überkam mich, und ich musste an den Spruch denken: „Humor ist, wenn man über sich selbst lachen kann.“

In diesen Büchern wurde mit Anleitungen geworben, wie man denn aus der Fülle schöpfen kann, und irgendwann erkannte ich, dass er mir gar nicht darum ging, wie ich in die irdische Fülle kommen würde, denn ich wollte mich mit vergänglichen und vorübergehenden scheinbaren Besitztum nicht mehr zufrieden geben. Was nutzte mir zum Beispiel ein schönes Haus, Geld oder irgendein anderer erfüllter Wunsch, wenn ich damit nicht glücklich war?

Mir wurde bewusst, dass es nicht das Haus oder das Geld war, das ich früher wohl gerne gehabt hätte, sondern vielmehr die Befriedigung, etwas zu besitzen und das damit verbundene Gefühl, welches mir dadurch kurzzeitig beschert wurden. Kurzzeitig! Ja, das war das Dilemma an all den verführerischen Dingen, ich konnte sie ja nicht festhalten. Die Objekte waren mir auch schlussendlich egal, vielmehr war es die unersättliche und niemals enden wollende Jagd nach Glück, Harmonie und Frieden. Doch es dauerte seine Zeit, um auch erkennen zu können, was sich hinter diesem Trieb des Besitzanhäufens und des Habenwollens versteckte.

In diesem weltlichen Gütervermehrungsdrang hielt ich mich schon länger nicht mehr auf, und ich war froh darüber. Doch ich hatte auch hier keinen Einfluss darauf. Es stellte sich einfach ein, Dinge nicht mehr besitzen zu wollen, und dieser Vorgang schien wirklich Teil eines natürlichen Prozesses zu sein. Ich wollte viel höher hinaus, ich wollte der wahren Fülle begegnen. Ich wollte, ich wollte, klang es in mir nach – das hörte sich doch ganz stark nach einem vermeintlichen freien Wille an. Es war aber kein Wollen, welches ich mir in den Kopf gesetzt hatte, es war ein inneres Brennen, ein Verlangen, das mich vorantrieb, an den Fassaden zu kratzen, um zu sehen, was sich unter dem glänzenden Lack verbarg.

Und überhaupt, was nützte jemanden ein Ratschlag, wie er in die sogenannte Fülle kommen könnte, wenn er weder wusste was wirkliche Fülle war und auch keine blasse Ahnung davon hatte, wer denn diese Fülle überhaupt erleben wollte. Ich war schon lange davon überzeugt, dass der Mensch zuerst herausfinden sollte, was er war, bevor er von einem Ich sprach oder sogar Ansprüche stellte. Und dieser Spaziergang stärkte diese Überzeugung noch mehr und machte sie zu einem unausgesprochenen Leitsatz, der mich zukünftig lenken würde.

Mein Blick streichelte über die Wiesen und Auen. Die umfangreiche Ausstrahlung und die Anmut der Natur stellte alles in den Schatten. Keine Blume hatte etwas zu sagen. Vielleicht störte ich ihren Frieden mit meinem unruhigen Gedankengut?

Es war schon recht interessant, dass auch bewusste Menschen, die nur über wenig Zahlungsmittel verfügten, immer wieder wissen wollen, warum sie denn nicht mehr haben oder warum der „böse“ Nachbar, der scheinbar über Leichen ging, „so viel“ haben konnte? Wie kann dieser ach so schlechte Mensch im Außen in der Fülle sein, wenn er es im Inneren nicht ist? Viele Menschen selbst schienen ja scheinbar davon überzeugt zu sein, dass sie heiliger waren als die anderen oder es eher verdient hätten, in der Fülle zu sein. Hier leistete das Ego wohl wieder mal ganze Sache und forderte einen angemessenen Ausgleich ein.

Das menschliche Verhalten war wirklich etwas Sonderbares. Wer hat gesagt, dass materieller Reichtum eine Folge von innerer Fülle sein muss? Und wer hat gesagt, dass materielle Fülle ein Segen ist? Wo nehmen die Menschen denn bloß immer wieder diese Einbildungen her?

Außerdem konnte kein Mensch in den anderen hineinsehen und somit auch nicht im Geringsten einschätzen, warum er diese Erfahrung macht und wie es dazu gekommen war. Man sollte wirklich die Gedanken und Augen davon lassen und wissen, dass alles im Leben seine Berechtigung hat. Was kümmerten uns immer noch die Gegebenheiten der sogenannten anderen? Wie sollte sich bei uns selbst etwas bewegen, wenn wir den Fokus immer wieder nach außen richteten?

Die Frage nach Geld stellt sich erst gar nicht mehr, wenn man innere Fülle erfährt. Gott wird für uns alle sorgen, und wer weiß, vielleicht würde er sich auch mehr um uns kümmern, wenn wir uns nur ein bisschen mehr um ihn in uns kümmern würden?

Wir kümmern uns den ganzen Tag um die Abbilder der göttlichen Kraft und verlieren uns darin. Ist es denn ein Wunder, dass die Welt so ist wie sie ist?

  

Karma

Ganz still und leise verbarg sich die Blume des Karmas hinter der Margerite, als wollte sie sich verstecken. Und tat sie das wirklich? Will sie unter Umständen eventuell gar nichts erzählen? Ja, man kann das Kind ruhig beim Namen nennen, denn vielleicht hatte sie es satt, dass sie immer an allem schuld sein sollte. Nun gut, ich kann sie verstehen. Böses Karma aber auch!

Wenn sich die Menschen nicht mehr zu helfen wissen, keine Lösung für ihre Probleme finden oder eine lange Zeit unter den immer wiederkehrenden Gegebenheiten leiden, dann muss das altbekannte Karma herhalten. Das war schon immer so, und ich glaube, daran wird sich so schnell auch nichts ändern.

Ich hegte den Verdacht, dass das Karma wohl noch länger als Sündenbock herhalten musste. Und während ich mich diesen Empfindungen hingab, streichelte ich ganz sanft über das Blumenköpfchen und roch an dem fein duftenden Kelch.

Meine Offenheit erweckte die Neugier der Blume, und ich hatte das Gefühl, dass sie nun doch etwas zum Karma zu sagen hatte. Ich vermutete, dass sie sich bei ihren Aussagen nicht in den eigenartigen Geschichten der Menschen verlieren würde, die sie sich über das Karma zurechtgelegt hatten.

„Eine jede Bewegung im Bewusstsein erschafft das sogenannte Karma. Das heißt, Karma entsteht durch Gedanken und Empfindungen, die immer nur in der Vergangenheit oder in der Zukunft stattfinden können. Karma entspringt also einer Zeitzone, worin der Mensch mit Körper, Ego und Sinnen angesiedelt ist. Und für genau diesen Menschen gibt es so etwas wie Karma.

Für einen bewussten Menschen aber, und damit meine ich diese Menschen, die sich ihrer wahren Identität vollumfänglich bewusst sind, gibt es kein Karma, da sie keine Bewegungen mehr erzeugen, die dieses scheinbare Karma nach sich ziehen. Ich sage deshalb scheinbar, weil Karma nur im illusorischen Feld der Dualität, der Erscheinungen – in unserem Fall auf der Erde, existent sein kann.“

Der liebliche Klang der Blume blieb ganz kurz verstummt, bis sie gleich darauf mit ihrer Weisheit fortfuhr und sprach: „Und ich sage noch mehr: Die Menschen sprechen vom Karma der Seele. Was das doch für eine unsinnige Aussage ist! Der Mensch, der einen anderen Menschen bemängelt, verurteilt, sich traurig fühlt oder über etwas nachdenkt, erschafft eine Bewegung, die eine Schwingung nach sich zieht und ihm eine darauffolgende Wirkung beschert. Das nennt man Karma.

Ich nenne diese Bewegungen im Bewusstsein Samen. Wer also einen Samen sät, der wird auch eines Tages zur Ernte gerufen. Auch wenn nicht sofort etwas wächst und gedeiht, der Same bleibt bestehen und wird irgendwann keimen. Man weiß also niemals so genau, welcher Samen wann keimen wird. Ein gestern gesäter Samen kann heute schon sprießen, und ein längst vergessener Samen ist und bleibt abgespeichert – solange, bis die Zeit für seine Entfaltung reif ist. Wann das sein wird? Es wird sich ergeben. Es kann also noch lange dauern, bis ein Samen zu wachsen beginnt.

Wenn du dich also fragst, wie ein guter Mensch so ein schlechtes Karma haben kann, kann es sein, dass sehr alte Samen empor keimen, die über Äonen von Zeiten in ihm abgespeichert waren und erst jetzt reifen. Wobei bei dem Menschen, den du als schlecht bezeichnest und der, deiner Meinung nach, ein scheinbar gutes Karma hat, Jahre, ja Leben vergehen können, ohne dass ein Samen keimt. Warum? Weil Gott es lenkt, wie er es nun mal lenken wird.

Gut und schlecht, in welch eigenartigen Empfindungen ihr euch doch immer wieder verliert, anstatt euch dort aufzuhalten, wo Wertungen abwesend sind.“

Leben vergehen…, diese zwei Wörter bilden auch schon die perfekte Überleitung für andere Leben, die ja für das Karma stehen, dachte ich bei mir. Mit staunenden Augen und ehrlicher Neugier bestaunte ich das tiefe Wissen dieses ach so zarten Geschöpfes.

„Jetzt wird es spannend!“, schmunzelte die Blume mit freundlichem aber bestimmendem Wort. „Es gibt Menschen, die meinen, dass ihre Seele karmisch belastet ist“, sprach die langstielige Blume und schüttelte dabei ihr buntes Köpfchen.

„Nehmen wir einmal an, ein Körper hat sich bei einem Unfall so schwer verletzt, dass er nicht mehr überlebensfähig ist. Nun fällt der Körper weg, du nennst es sterben. Die Seele aber bleibt immer dort wo sie ist, unveränderlich und ewig. Dieses Dort ist kein Ort und hat keine Zeit, denn mit diesem Dort meine ich eine unsichtbare Anwesenheit ohne jegliche materielle Verstrickung. Du könntest sagen, die Seele zieht sich zurück, weil das Leben aus dem Körper weicht, doch in Wahrheit bewegt sie sich nicht. Wohin sollte sie sich denn auch zurückziehen?

Jetzt wo diese Hülle, die du irrtümlicherweise als meinen Körper bezeichnet hast, regungslos daliegt, wo ist denn jetzt das Karma hin verschwunden? Ist es mit der Seele mitgegangen? Wartet es vielleicht in einem stillen Kämmerchen, um wieder über dich herzufallen, wenn deine Seele durch einen neueren, intakten und jüngeren Körper zurückkommt, oder bleibt das Karma in deinem Körper zurück?

Hat der Mensch nun ein Karma, oder ist es die Seele, die karmisch belastet ist? Nun nehmen wir einmal an, jemand behauptet, dass die Seele ein Karma hat. Lass und doch einfach einmal eine körperlose Seele fragen. Hallo, du liebe Seele, du hast du ein Karma im Schlepptau?“, und dabei sah sie über mich hinweg. Ich drehte mich um und konnte keine Antwort hören. „Die Seele schweigt also!“, stellte die Blume fest. „Wie unhöflich von ihr, uns keine Antwort zu geben!“ Die Blume fragte die Seele noch einmal, und siehe da, sie blieb weiterhin stumm. „Na, vielleicht liegt es ja auch daran, das sie jetzt keinen Mund mehr hat, um sich mitzuteilen, und keinen Körper und keine Sinne, um sich ausdrücken zu können“, stellte sie fest.

„Die Seele kann also kein Karma haben, und selbst wenn sie eines hätte, würde sie es nicht bemerken oder wissen, weil sie ohne Körper weder sich, noch das Karma wahrnehmen kann.

Es braucht also einen Körper mit Sinnen, also einen Menschen mit Persönlichkeit, der das Karma erschafft. Wo verschwindet das Karma nun hin, wenn die Seele es nicht bei sich tragen kann?

Die Seele hat mit Materie, Emotionen und Gedanken nichts zu tun, also ist sie frei von jeglichen Dingen – unbegrenzt, unbefleckt und frei. Dies kann und wird sich erst wieder bei einer neuen Geburt ändern, wenn die Seele sich wieder durch eine Menschengestalt ausdrücken kann.

Wo ist es jetzt also, dieses Karma, an dem alle Menschen so hartnäckig festhalten? Du weißt es nicht? Ich habe eine weitere Idee!“, sagte sie heiter und froh. Dem Tonfall nach kam jetzt wieder so ein belustigendes Beispiel wie vorhin.

„Wir könnten ja einen leblosen Körper mal fragen, was er dazu meint.“

Ich fand sie lustig, doch ich hatte auch das Gefühl, sie wollte mich etwas auf den Arm nehmen. Gespannt was sie denn nun sagen wollte, sah ich sie fragend an.

„Schau mich nicht so fragend an, du hast ja recht, ein lebloser Körper wird sich genauso wenig mitteilen können, wie eine Seele, die das Instrument für seine Mitteilung verloren hat. Wenn der tote Körper also eine Seele braucht, um zum Beispiel seine Hand zu heben, oder besser gesagt, um überhaupt leben zu können, wie können Menschen dann glauben, dieser Körper zu sein?

Wenn du dir also vorstellst, tot zu sein, fällt es dir wahrscheinlicher leichter, in dich hineinzuspüren, dass du nicht dieser tote Fleischklops sein kannst. Deshalb rate ich dir, die Dinge zu erforschen, ihnen auf den Grund zu gehen und sie tiefer zu betrachten, damit du dich deinem wahren Selbst annähern kannst. Glaube nicht was du weißt, was man dir sagt oder was ich dir erzähle, fühle es selbst, wie es anders nicht sein kann.“

„Also…“, für die weise Blume fort, „…geschieht alles was du tust zwar mit Hilfe deines Körpers, der Dinge erledigt, wie zum Beispiel die Hand nach oben streckt, doch da ist etwas, das dich etwas tun lässt.“ Danach schwieg sie und ich meinte, ein stilles Lächeln vernommen zu haben. „Schau mal…“, fuhr sie umgehend fort, „…alle Vergissmeinnicht, die die Blumenwiese zieren, heben sich empor und strahlen in ihrem schönsten Blau. Diese Blumen haben wohl eine ganz tiefe Bedeutung.“ Als die Blume dann auch noch das Wort Gott erwähnte, huschte ein ganz sanftes Rauschen durch die Gräser. Immer noch spürte ich die Worte des Vergissmeinnichts und schwelgte in seiner Liebe.

„Wenn es nach dem Tod gar kein Karma mehr gibt, das in der Seele oder im Menschen vorhanden ist, dann kann es doch auch vorher keines gegeben haben, oder?“

Ich sah sie erstaunt an. Die Frage hatte es in sich. Ja, wo war es denn wirklich, dieses Karma, wenn es weder mit der Seele, noch mit dem Körper zu tun hatte? Es brauchte also beides, um überhaupt erst wirken zu können.

Natürlich war ein wiedergeborener Körper von vergangenen Erfahrungen geprägt, doch lag das nicht vielmehr an der Unwissenheit und an Erinnerungen, als an einem Karma, das ständig für alles Schuld tragen sollte? Machte es sich der Mensch nicht zu einfach, alles auf ein Wort mit fünf Buchstaben abzuschieben, ohne es näher zu betrachten? Und stand hinter dem Karma nicht auch Gott? Und war es nicht immer nur die einzige Lösung, nach der einen Kraft Ausschau zu halten.

Die Blume sah mich liebevoll an und hatte sich an meinen Impulsen erfreut. Sie nickte mir wohlwollend zu und erstrahlte in ihrer bunten Blütenpracht.

„Wenn deine Seele in einen neuen Körper geht, das heißt, wenn du wiedergeboren wirst, dann wird dein Ärger, deine Ablehnung, deine Abschweifungen, ja, alle Bewegungen, die durch dich geschehen, wieder neue Samen erzeugen. Also hat das Karma, auf der Ebene des dualen Weltbildes, bedingt seine Berechtigung. Da das aber nicht die Realität ist, ist also auch das Karma eine notwendige Begleiterscheinung unseres illusorischen Daseins, ohne dabei wirklich zu sein.

Es wird solange seine Existenz behalten, bis der Mensch zu sich selbst erwacht, denn genau solange wird es in irgendeiner Form auf das irdische Dasein Einfluss nehmen. Das sogenannte Karma wird also erst dann seine Existenz vollumfänglich verlieren, wenn der Mensch seine wahre Identität erforscht und verinnerlicht hat, dass sein Mensch-Sein, das auf dieser Bewusstseinsebene des Lebens Karma empfindet oder darüber spricht, nichts mit seiner wahren Identität zu tun haben kann. Es ist, und es ist doch nicht. Das verwirrt den Menschen und lässt ihn zweifeln. Wie kann etwas sein, ohne wirklich zu sein?“

Die Blume lehnte sich kurz Richtung Margerite. War sie der Erzählungen müde geworden? Kaum hatte ich das gedacht, setzte sie ihre wertvolle Botschaft auch schon wieder fort. „Dein Verstand wird es nicht verstehen, aber dein Herz!

Um noch einmal auf meine Frage zurückzukommen: Hat der Mensch nun ein Karma, oder ist es die Seele, die Karma besitzt? Ja, der Mensch glaubt, ein Karma zu haben, so wie er daran glaubt, real zu sein, einen freien Willen zu haben und einen Einfluss auf sein Leben nehmen zu können. Beginne damit, dem Leben wacher zu begegnen.

So wie die Menschen die Dinge sehen, so sind sie nun mal nicht. Die Dinge sind niemals sie selbst, weil sie aus sich selbst heraus nicht bestehen können. Kümmere dich nicht um die Vergangenheit oder Begrifflichkeiten wie das Karma, dann kümmert sich das Leben um dich.“, sprach das zarte Blümchen, welches sich für das Karma aussprach und ergab sich der Natur.

 

 

 

 

 

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